© Baiersbronn Touristik / Ulrike Klumpp

Fragt man Thomas Faißt nach seinem Beruf, bekommt man vier Antworten: Forstwirt, Diplomforstingenieur, Köhler und Kulturschaffender. Und das verwundert doch ein wenig. Denn hinter einem Holzhauer vermutet man ja wohl nicht automatisch einen Kulturschaffenden, hinter einem Förster sicherlich auch nicht und erst recht nicht hinter einem Köhler. Und doch ist es so. Thomas Faißt hat etwas Unvergleichbares geschaffen, das alle Jahre um Pfingsten zelebriert wird: Kultur am Meiler.

Bei der alten Pflanzschule, einer wunderschönen Waldlichtung, baut Faißt seinen Kohlenmeiler auf, so wie er vor etwa 150 Jahren überall im Schwarzwald kokelte. Das Anzünden des Meilers und sein „Ausziehen“ am Ende werden zur feierlichen Zeremonie. Dazwischen liegen zehn Tage, in denen der Meiler schmaucht und raucht, die kunstvoll aufgestapelten und mit einer Erdschicht abgedeckten Buchen- und Tannenscheite zu Holzkohle verbrennt. Der Beruf des Köhlers ist rund 6.000 Jahre alt. Generationen von bettelarmen Köhlern haben den Schwarzwald geprägt und haben dem Hauff-Märchen vom „Kalten Herzen” Kulisse gegeben.

Dieses Märchen beherrscht Thomas Faißt noch immer, wenn er in seiner Kulturwoche an den Meiler einlädt. Dort gibt es Märchenabende, Führungen durch den dunklen Wald, Dichterlesungen, Theater, Musik, Lieder, Familiensonntage und vieles vieles mehr.

Kulturschaffender Faißt ist beseelt vom Gedanken, mit der Köhlerei Wissen um einen ausgestorbenen Beruf an jene Generationen zu vermitteln, deren Heimatgefühl zu versickern droht.

Für Faißt sind Wald, Holz, Feuer, Natur grundlegende Elemente eines mystischen und verletzlichen Kreislaufes. Wenn er sich zehn Tage und Nächte in die Einsamkeit an den Meiler zurückzieht, will er die Energien aus den Elementen spüren, will reflektieren und philosophieren ... Und doch freut er sich, wenn ihn Wanderer in Gespräche über den Meiler verwickeln, wenn er spürt, dass seine Begeisterung für Wald und Feuer geteilt wird.